Warum ich keinen 12-Monats-SEO-Vertrag anbiete – und was das für dich bedeutet
[FreshMeal] zahlte 12 Monate lang CHF 1’500 an [Agentur-X]. Null Blogartikel. Null Landingpages. Null Rankings. Die dokumentierte Case Study zeigt jeden einzelnen Fehler mit echten Daten.
Aber ein Detail wird in der Diskussion über diese CHF 18’000 oft übersehen: [FreshMeal] wusste nach 4 Monaten, dass etwas nicht stimmt. Kein Content. Keine Reportings. Ausweichende Antworten auf konkrete Fragen.
Trotzdem blieben sie weitere 8 Monate. Nicht weil sie überzeugt waren, sondern weil der Vertrag sie festhielt.
Warum die Branche 12-Monats-Verträge liebt
Die Standardargumentation kennst du: „SEO braucht Zeit. Drei Monate reichen nicht, um Ergebnisse zu sehen. Deshalb brauchen wir eine Mindestlaufzeit von 12 Monaten.”
Der erste Satz stimmt. SEO ist kein Sprint. Google braucht Wochen bis Monate, um neue Inhalte zu indexieren, zu bewerten und in den Rankings zu platzieren.
Aber der Schluss ist falsch. Dass SEO Zeit braucht, rechtfertigt keine Vertragsfesseln. Es rechtfertigt Geduld. Und Geduld setzt Vertrauen voraus – nicht Zwang.
Die ehrliche Übersetzung von „Wir brauchen 12 Monate Mindestlaufzeit” lautet in vielen Fällen: „Wir wollen 12 Monate garantierten Umsatz, unabhängig davon, ob wir liefern.”
Nicht jede Agentur mit Langzeitvertrag arbeitet schlecht. Aber jede Agentur, die schlecht arbeitet, profitiert von einem Langzeitvertrag.
Die Restaurant-Frage
Kein Restaurant verlangt von dir, einen 12-Monats-Vertrag zu unterschreiben, bevor du dich hinsetzt. Du isst, du bezahlst, du kommst wieder – oder nicht. Das Restaurant verdient sich deine Rückkehr mit jeder Mahlzeit.
Wenn das Essen schlecht ist, gehst du. Nicht nach 12 Monaten. Sofort.
SEO-Betreuung funktioniert nach demselben Prinzip. Wenn die Ergebnisse stimmen, bleibt der Kunde. Wenn nicht, sollte er gehen können. Ohne Anwalt, ohne Kündigungsfrist, ohne Konventionalstrafe.
Wie ich stattdessen arbeite
Meine SEO-Betreuung ist monatlich kündbar. Kein Kleingedrucktes, keine automatische Verlängerung, keine 90-Tage-Kündigungsfrist.
Der Grund ist simpel: Ich will Kunden, die bleiben, weil die Zusammenarbeit funktioniert. Nicht weil ein Vertrag sie zwingt.
Was das konkret bedeutet:
- Monat 1–3: Audit, Strategie, erste Massnahmen. Nach 3 Monaten müssen die Richtung und die Arbeitsqualität erkennbar sein – nicht zwingend Seite-1-Rankings, aber messbare Fortschritte: neue Inhalte veröffentlicht, technische Probleme behoben, erste Ranking-Bewegungen bei Ziel-Keywords.
- Ab Monat 4: Ergebnisse werden monatlich anhand der vereinbarten KPIs gemessen. Search Console Daten, Klicks ohne Marken-Keywords, Conversions. Alles transparent, alles im direkten Zugang des Kunden.
- Jederzeit: Du kannst kündigen. Ohne Begründung. Ohne Frist. Per E-Mail.
Wenn ich in Monat 5 keine Ergebnisse vorweisen kann und keinen nachvollziehbaren Grund dafür habe – dann sollst du kündigen. Dann habe ich meinen Job nicht gemacht.
Rechtlich: Du darfst sowieso kündigen
Was viele nicht wissen: Nach Schweizer Obligationenrecht ist die jederzeitige Kündbarkeit bei Aufträgen sogar gesetzlich verankert.
Art. 404 Abs. 1 OR: „Der Auftrag kann von jedem Teil jederzeit widerrufen oder gekündigt werden.”
Diese Bestimmung ist zwingend. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass sie vertraglich nicht wegbedungen werden kann. Konventionalstrafen zur Umgehung der freien Kündbarkeit sind nach Bundesgerichtspraxis nicht zulässig.
Ausführlicher erklärt in unserem Beitrag: SEO-Vertrag kündigen: Deine Rechte
Das heisst: Selbst wenn du einen 12-Monats-Vertrag unterschrieben hast und die Agentur nicht liefert, stehst du nicht ohne Optionen da. Aber warum sollte es überhaupt so weit kommen?
Was das für dich als Auftraggeber bedeutet
Monatlich kündbare Betreuung verschiebt die Beweislast. Nicht du musst beweisen, dass die Agentur versagt hat, um aus dem Vertrag zu kommen. Die Agentur muss jeden Monat beweisen, dass die Zusammenarbeit sich lohnt, damit du bleibst.
Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Bei [FreshMeal] lief es genau andersherum: Der Geschäftsführer wusste nach 4 Monaten, dass die Ergebnisse ausbleiben. Aber statt zu kündigen, wartete er – weil er die Vertragsklauseln fürchtete. Am Ende waren CHF 18’000 weg. Bei monatlicher Kündbarkeit wären es CHF 6’000 gewesen. Immer noch ärgerlich. Aber CHF 12’000 weniger ärgerlich.
Fazit
Wenn dein SEO-Dienstleister einen 12-Monats-Vertrag verlangt, frag ihn: „Warum?” Die Antwort verrät mehr über sein Geschäftsmodell als über deine SEO-Strategie.
Gute Arbeit braucht keine Vertragsfesseln. Gute Arbeit bindet Kunden durch Ergebnisse.
Dieser Artikel ist Teil einer Serie zur SEO-Qualitätssicherung für KMU. Den vollständigen Fall findest du in der dokumentierten Case Study: CHF 18’000 für null Ergebnisse.
Du willst SEO ohne Vertragsfesseln?
Verwandte Artikel
CHF 18'000 für null Ergebnisse – Wenn SEO-Agenturen versagen
Ein Schweizer KMU investierte CHF 18'000 in SEO – und bekam null Ergebnisse. Eine forensische Aufarbeitung mit 6 Red Fla...
SEO Agentur Lerneffekte: Was CHF 18'000 Verlust lehren
5 konkrete Änderungen nach einer gescheiterten SEO-Zusammenarbeit. Was FreshMeal daraus gelernt hat – und wie du jeden S...
SEO-Vertrag prüfen: Welche KPIs müssen rein?
Dein SEO-Vertrag verspricht Sichtbarkeit aber definiert keine KPIs? Diese Checkliste zeigt, welche messbaren Ziele in je...