SEO Agentur keine Ergebnisse: CHF 18'000 Verlust dokumentiert mit echten Daten
Was passiert, wenn eine SEO Agentur keine Ergebnisse liefert – 12 Monate lang? Die Qualitätsprobleme im SEO-Markt sind so verbreitet, dass Googles eigener Search-Ecosystem-Experte John Mueller öffentlich vor SEO-Scam warnt und Betroffenen rät, Fälle bei Behörden zu melden. Der Verbraucherreport 2025 des vzbv zeigt: Die Beschwerden im digitalen Sektor sind um 34 Prozent gestiegen – der Grossteil davon wegen unterschobener Verträge und mangelnder Transparenz.
Trotzdem gibt es kaum öffentlich zugängliche Fälle, die mit echten Daten belegen, wie eine gescheiterte SEO-Zusammenarbeit konkret aussieht. Keine Screenshots, keine Vertragsdokumente, keine Search Console Exporte.
Dieser Artikel ändert das.
Ich wurde als unabhängiger SEO-Berater hinzugezogen, um die Situation eines Schweizer KMU forensisch aufzuarbeiten. Was ich vorfand, war ein Fall mit vollständiger Dokumentation: Verträge, Rechnungen, Google Search Console Daten, E-Mail-Verläufe.
Die Fakten: Ein Unternehmen investierte über 12 Monate rund CHF 18’000 in eine SEO-Agentur. Die Gegenleistung: null Blogartikel, null Landingpages, null Infografiken, keine messbaren Rankings bei relevanten Suchbegriffen.
Dieser Beitrag dokumentiert den Fall, benennt die 6 Warnsignale, die das hätten verhindern können, und liefert eine konkrete Checkliste für jedes Unternehmen, das aktuell mit einer SEO-Agentur zusammenarbeitet oder eine Zusammenarbeit plant.
Hinweis: Alle Namen, Firmen und Branchendetails wurden anonymisiert. Die Analyse basiert auf dokumentierten Fakten und dient der Aufklärung.
Die Ausgangslage: Ein marktkonformes Budget, klare Erwartungen
Das betroffene Unternehmen – nennen wir es FreshMeal – ist ein Schweizer KMU im E-Commerce-Bereich. Der Geschäftsführer entschied sich, in professionelle Suchmaschinenoptimierung zu investieren, und beauftragte eine SEO-Agentur – nachfolgend Agentur-X.
Das monatliche Budget: rund CHF 1’500 netto.
Dieser Betrag ist kein Billigangebot. Er liegt exakt im Korridor dessen, was Branchenexperten für sinnvolle SEO-Arbeit empfehlen: Etablierte Agenturen kalkulieren typischerweise mit EUR 1’000 bis 3’000 pro Monat für KMU mit regionaler bis nationaler Reichweite. Freelancer beginnen bei ca. CHF 500 monatlich. Das bedeutet: FreshMeal hat ein marktkonformes, seriös kalkuliertes Budget bereitgestellt – kein Dumping-Angebot, das von vornherein keine substanzielle Arbeit ermöglichen würde.
Die vertraglichen Zusagen der Agentur waren eindeutig:
- Steigerung der organischen Sichtbarkeit bei Google
- Neukundengewinnung über organische Suchergebnisse
- Erstellung hochwertiger Inhalte: Blogartikel, Landingpages, Infografiken
- Regelmässige Reportings und transparente Kommunikation
Die Erwartungen des Kunden waren also weder unrealistisch noch überzogen. Sie entsprachen dem, was eine professionelle SEO-Agentur bei diesem Budget leisten muss.
Was schiefgelaufen ist: 5 dokumentierte Versäumnisse
1. Keine messbaren SEO-Ergebnisse nach 12 Monaten
Als ich die Google Search Console Daten von FreshMeal analysierte, zeigte sich ein ernüchterndes Bild:
- Die Top-Suchbegriffe waren fast ausschliesslich Marken-Keywords – also der eigene Firmenname und Produktname. Das bedeutet: Die Klicks kamen von Nutzern, die das Unternehmen bereits kannten. Das ist kein SEO-Erfolg, das ist Bestandskunden-Traffic.
- Generische Keywords aus dem Kerngeschäft – also die Begriffe, mit denen Neukunden suchen – brachten nur zweistellige Klickzahlen. Nach über einem Jahr SEO-Arbeit ist das ein vernichtend niedriger Wert.
- Kein einziger signifikanter Ranking-Gewinn bei relevanten Suchbegriffen. Die Keywords standen weiterhin auf den hintersten Plätzen.
Zum Vergleich: 27,6 Prozent aller Klicks entfallen auf das erste Google-Ergebnis. Weniger als 1 Prozent der Nutzer klicken überhaupt auf die zweite Suchergebnisseite. Wer nach 12 Monaten professioneller SEO-Arbeit nicht mindestens auf Seite 1 für relevante Begriffe auftaucht, hat ein ernsthaftes Problem – oder einen Dienstleister, der nicht liefert.
2. Null Content-Produktion trotz Vertragszusage
Im Vertrag von Agentur-X stand wörtlich die Zusage zur „Erstellung von hochwertigem Content wie Texten oder Infografiken.” Die Realität nach 12 Monaten:
- 0 Blogartikel erstellt
- 0 Landingpages gebaut
- 0 Infografiken produziert
- Lediglich einige bestehende Kategorietexte wurden leicht überarbeitet
SEO ohne Content-Produktion ist wie ein Restaurant ohne Küche. Organische Sichtbarkeit entsteht durch relevante, qualitativ hochwertige Inhalte, die Suchintentionen bedienen. Ohne neue Inhalte gibt es keine neuen Rankings – das ist kein Meinungsstreit, das ist eine technische Realität.
3. Fehlende Transparenz und vorenthaltene Reportings
- Der Kunde erhielt keine regelmässigen SEO-Reports
- Zugänge zu Analysetools wie Google Search Console oder Google Analytics wurden nicht geteilt
- Auf Nachfragen reagierte die Agentur ausweichend
Jeder seriöse SEO-Dienstleister gibt seinem Kunden Zugang zu den relevanten Daten. Die Search Console gehört dem Website-Betreiber, nicht der Agentur. Wer Daten zurückhält, hat entweder nichts vorzuweisen – oder etwas zu verbergen.
4. Technische SEO vernachlässigt
Bei meiner Analyse fielen sofort grundlegende technische Mängel auf:
- Fehlende Meta-Beschreibungen auf zahlreichen Seiten – ein SEO-Grundlagen-Fehler
- Performance-Probleme durch überladene Seiten mit unnötig vielen Apps und Skripten
- Keine mobile Optimierung der Inhalte, die von der Agentur bearbeitet wurden
- Versprochene Startseitentexte wurden monatelang nicht umgesetzt
Technische SEO ist das Fundament jeder Optimierung. Solche Grundlagenfehler sind in der Branche weit verbreitet – die 7 häufigsten SEO-Sünden auf MSP-Websites treffen in ähnlicher Form auf jede Branche zu. Wenn die Basics nach 12 Monaten immer noch nicht stimmen, hat die Agentur entweder keine Kompetenz – oder keine Kapazität für den Kunden.
5. Fragwürdige strategische Beratung
Besonders bedenklich war die strategische Beratung, die Agentur-X dem Kunden gab:
- Die Agentur empfahl ein Rebranding, ohne auf bestehende Markenrechte hinzuweisen. Ein international tätiger Grosskonzern nutzt einen ähnlichen Namen. Eine seriöse Beratung hätte dieses Risiko als Erstes identifiziert.
- Auf die berechtigte Kundenkritik, dass die über SEO gewonnenen Neukunden nur einmal kauften und nie wiederkamen, antwortete die Agentur sinngemass: „Dann verbessern Sie halt Ihr Produkt.” Statt die Zielgruppenansprache zu hinterfragen.
- Die Agentur positionierte FreshMeal auf das Keyword “Mealprep” – einen englischen DIY-Begriff der Menschen anzieht die selber kochen wollen, nicht solche die Fertiggerichte bestellen. Die vollständige Analyse dieses Keyword-Desasters zeigt, warum die Suchintention der wichtigste Faktor in jeder Keyword-Recherche ist.
- Es wurde die falsche Zielgruppe angesprochen: preissensible Gelegenheitskäufer statt der Premium-Kunden, die für das Geschäftsmodell relevant sind.
Die 6 Red Flags: Woran du eine schlechte SEO-Agentur erkennst
Aus der forensischen Analyse dieses Falls lassen sich sechs klare Warnsignale ableiten. Jedes einzelne davon hätte bereits früh auf Probleme hindeuten müssen.
Red Flag 1: Keine konkreten KPIs im Vertrag
Das Muster: Der Vertrag verspricht „SEO-Optimierung” oder „Verbesserung der Sichtbarkeit”, ohne messbare Ziele zu definieren.
Was in diesem Fall passiert ist: Agentur-X konnte sich hinter vagen Formulierungen verstecken. Ohne vertraglich festgehaltene KPIs – zum Beispiel „Ranking für Keyword X in den Top 10 innerhalb von 6 Monaten” – gibt es keine Grundlage, um Nichterfüllung nachzuweisen.
Was Standard sein sollte: Ein seriöser SEO-Dienstleister definiert gemeinsam mit dem Kunden messbare Ziele mit Zeitrahmen. Nicht als Garantie (die kann im SEO niemand geben), aber als gemeinsame Benchmark, an der die Zusammenarbeit gemessen wird.
Welche KPIs konkret in einen SEO-Vertrag gehören, erklärt unser Beitrag: SEO-Vertrag prüfen: Welche KPIs müssen rein?
Red Flag 2: Kein Zugang zu Analysetools
Das Muster: Der Kunde hat keinen eigenen Zugang zu Google Search Console, Google Analytics oder SEO-Tools wie Ahrefs/SEMrush.
Was in diesem Fall passiert ist: FreshMeal konnte die Arbeit der Agentur nicht eigenständig verifizieren. Die Daten wurden zurückgehalten, Reportings verweigert.
Was Standard sein sollte: Der Kunde hat jederzeit vollen Zugang zu allen relevanten Tools und Daten. Die Search Console und Analytics gehören dem Website-Betreiber. Der BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft) hat mit seinem SEO Code of Conduct genau deshalb Transparenzstandards definiert.
Wie ein ehrliches Reporting im Detail aussieht – und welche 6 Warnsignale auf Verschleierung hindeuten – zeigt unser Beitrag: 6 Red Flags in deinem SEO-Reporting
Red Flag 3: Keine Content-Produktion
Das Muster: Monate vergehen, ohne dass neue Inhalte erscheinen – keine Blogartikel, keine Landingpages, keine Infografiken.
Was in diesem Fall passiert ist: Nach 12 Monaten und CHF 18’000 existierten exakt null neue Content-Stücke. Nur minimale Änderungen an bestehenden Texten.
Was Standard sein sollte: Ein Content-Kalender mit festen Lieferterminen, der vor Projektstart vereinbart wird. Bei einem Budget von CHF 1’500/Monat ist die Erstellung von mindestens 2-4 hochwertigen Artikeln pro Monat realistisch – je nach Umfang und Tiefe.
Red Flag 4: Nur Marken-Traffic als „Erfolg” verkauft
Das Muster: Die Agentur präsentiert steigende Klickzahlen – verschweigt aber, dass 90% der Klicks vom eigenen Markennamen kommen.
Was in diesem Fall passiert ist: Die wenigen Klicks, die FreshMeal über Google erhielt, stammten fast ausschliesslich von Nutzern, die den Firmennamen direkt eingegeben hatten. Das sind Bestandskunden, keine Neukunden. Das ist kein SEO-Ergebnis.
Was Standard sein sollte: Ein sauberes Reporting trennt Marken-Traffic von generischem Traffic. Der Wert von SEO liegt in der Gewinnung von Nutzern, die das Unternehmen noch nicht kennen. Wer nur Marken-Keywords als Erfolg präsentiert, verschleiert die tatsächliche Leistung.
Red Flag 5: Lange Vertragslaufzeiten mit automatischer Verlängerung
Das Muster: 12- oder 24-Monats-Verträge mit mehrmonatiger Kündigungsfrist und automatischer Verlängerung. Der Kunde ist gebunden, auch wenn keine Ergebnisse kommen.
Was in diesem Fall passiert ist: Die Vertragsstruktur machte es FreshMeal schwer, frühzeitig auszusteigen – selbst als bereits klar war, dass die Agentur nicht liefert.
Was Standard sein sollte: Kurze Testphasen (3 Monate) mit anschliessender monatlicher Kündbarkeit. Wer gute Arbeit leistet, braucht keine langen Vertragsfesseln. Gut zu wissen: Nach Schweizer Obligationenrecht (OR Art. 404) kann ein Auftrag grundsätzlich jederzeit widerrufen werden. Lange Kündigungsfristen können unter bestimmten Umständen rechtlich anfechtbar sein.
Die vollständigen Rechtsgrundlagen für die Schweiz und Deutschland findest du in unserem Beitrag: SEO-Vertrag kündigen: Deine Rechte
Red Flag 6: „Mit dem Budget kann man nicht mehr machen”
Das Muster: Die Agentur nimmt einen mittleren vierstelligen Monatsbetrag – und sagt dann, das Budget reiche nur für wenige Stunden Arbeit.
Was in diesem Fall passiert ist: Agentur-X rechtfertigte die mangelnden Ergebnisse mit angeblich zu knappem Budget – obwohl CHF 1’500/Monat ein marktkonformer Preis für substanzielle SEO-Arbeit ist.
Was Standard sein sollte: Transparente Stundenaufstellung oder eine klare Leistungsbeschreibung pro Monat. Wenn eine Agentur das Budget als zu niedrig einstuft, sollte sie das vor Vertragsabschluss kommunizieren – nicht als Ausrede für Nichtlieferung.
Was bei welchem Budget realistisch ist, zeigt unser ausführlicher Vergleich: Was kostet SEO wirklich? Budget-Realität für Schweizer KMU
Warum KMU so lange bei schlechten Agenturen bleiben
Die 6 Red Flags oben wirken im Nachhinein offensichtlich. Aber warum hat FreshMeal nicht früher reagiert? Die Antwort liegt in einem bekannten Mechanismus: Informationsasymmetrie.
Die Agentur spricht eine Sprache, die der Kunde nicht prüft
SEO ist für die meisten Geschäftsführer eine Blackbox. Die Agentur liefert Begriffe wie „Crawl-Budget”, „Domain Authority”, „Core Web Vitals” oder „semantische Keyword-Cluster” – und der Geschäftsführer nickt, weil er das Thema an Profis delegiert hat. Das ist bei keinem anderen Dienstleister anders: Auch den Steuerberater prüft man nicht auf jede Buchung. Aber der Steuerberater liefert am Ende eine Steuererklärung. Die SEO-Agentur? Liefert im schlimmsten Fall PowerPoint-Folien.
Einschüchterung durch Fachsprache
Ein häufiges Muster: Geschäftsführer trauen sich nicht, kritische Fragen zu stellen, weil sie fürchten, als unwissend dazustehen. Die Agentur nutzt das – bewusst oder unbewusst. Sätze wie „SEO braucht Zeit” oder „Der Algorithmus hat sich geändert” klingen plausibel und sind oft nicht falsch. Aber sie verschleiern, dass nach 6 Monaten zumindest die Richtung stimmen muss.
Dazu kommt die Studie von localsearch und der Hochschule Luzern (KMU Digital Pulse 2025): 82 Prozent der Schweizer Bevölkerung wollen sich online über KMU-Dienstleistungen informieren – aber nur 36 Prozent der KMU betreiben eine eigene Website. Die Folge: Viele Geschäftsführer wissen, dass sie digital präsent sein müssen, verstehen aber nicht genug, um die Qualität der Umsetzung zu bewerten. Das macht sie verwundbar.
Sunk-Cost-Falle
Ein weiterer Faktor: Je länger ein Unternehmen bereits zahlt, desto schwerer fällt der Ausstieg. „Wir haben schon CHF 12’000 investiert – jetzt können wir nicht einfach aufhören” – so oder ähnlich argumentieren betroffene Unternehmer häufig. Das ist die klassische Sunk-Cost-Falle: Die bisherigen Kosten sind verloren, egal ob man weiter zahlt oder nicht. Nur die zukünftigen Kosten sind beeinflussbar.
Was das für dich bedeutet
Wenn du gerade mit einer SEO-Agentur zusammenarbeitest und ein ungutes Gefühl hast: Du brauchst kein SEO-Wissen, um die richtigen Fragen zu stellen. Du brauchst nur diese drei:
- „Zeigen Sie mir die Search Console Daten – nicht Ihre eigene Auswertung.” Wer das verweigert, verbirgt etwas.
- „Welche neuen Inhalte haben Sie diesen Monat erstellt?” Die Antwort muss konkret sein: URLs, Titel, Veröffentlichungsdatum.
- „Wie viele Klicks kommen von Nutzern, die unseren Firmennamen NICHT eingegeben haben?” Das trennt echten SEO-Erfolg von Marken-Traffic.
Für eine tiefere Analyse empfehle ich, einen systematischen SEO-Audit durchzuführen – oder durchführen zu lassen. Ein unabhängiger Audit deckt in wenigen Stunden auf, was eine Agentur in Monaten verschleiert.
Die finanziellen Konsequenzen
Direkte Kosten
Knapp CHF 18’000 flossen über die gesamte Vertragslaufzeit an Agentur-X – für quasi null Gegenleistung. Kein einziger neuer Inhalt, keine messbaren Rankings, keine transparente Dokumentation.
Opportunitätskosten
Mindestens ebenso schwer wiegen die indirekten Kosten:
- 12 Monate verlorenes organisches Wachstum. Während FreshMeal auf Ergebnisse wartete, hätten mit einer kompetenten Agentur bereits relevante Rankings aufgebaut werden können.
- Verlorenes Vertrauen in SEO als Kanal. Nach dieser Erfahrung steht jeder Geschäftsführer SEO erst einmal skeptisch gegenüber. Das kann dazu führen, dass ein nachweislich wirksamer Marketingkanal dauerhaft gemieden wird.
- Zeitverschwendung des Geschäftsführers. Statt sein Unternehmen weiterzuentwickeln, musste sich der Geschäftsführer mit einer nicht liefernden Agentur auseinandersetzen.
Zusätzliche Kosten für die Aufarbeitung
Die forensische Analyse, die Dokumentation und die juristische Prüfung des Falls verursachten weitere Kosten. Die Gesamtbelastung lag damit deutlich über der reinen Vertragssumme.
Einordnung: Das Budget war nicht das Problem
CHF 1’500 pro Monat ist der Marktstandard für professionelle SEO-Betreuung von KMU im DACH-Raum. Das Unternehmen hat nicht am falschen Ende gespart. Es hat ein marktgerechtes Budget bereitgestellt, das nach allen branchenüblichen Masstäben eine substanzielle Gegenleistung rechtfertigt.
Dass bei einem solchen Budget null Blogartikel, null Landingpages und null Infografiken geliefert wurden, hebt diesen Fall aus der Kategorie „schlechte Leistung” in die Kategorie strukturelles Versagen.
Was hätte anders laufen müssen
Vor Vertragsabschluss
-
Proof of Concept verlangen. Ein kleines, bezahltes Pilotprojekt (CHF 1’000 bis 2’000) zeigt innerhalb weniger Wochen, ob eine Agentur handwerklich liefern kann. Wer ein Pilotprojekt ablehnt, hat wenig vorzuweisen.
-
Referenzen konkret prüfen. Nicht nur Kundennamen abfragen, sondern konkrete, nachprüfbare Resultate einfordern: Welche Rankings wurden verbessert? Um wie viel stieg der organische Traffic? Gibt es Search Console Daten?
-
KPIs vertraglich festhalten. Messbare Ziele mit Zeitrahmen gehören in jeden SEO-Vertrag. Nicht als Erfolgsgarantie, sondern als gemeinsamer Massstab.
-
Kurze Testphase vereinbaren. 3 Monate kündbar, danach Verlängerung bei gegenseitiger Zufriedenheit. Seriöse Dienstleister haben kein Problem damit.
Während der Zusammenarbeit
-
Monatliche Review-Meetings mit echten Zahlen. Search Console Daten, Traffic-Entwicklung, Ranking-Veränderungen – nicht PowerPoint-Folien mit Grafiken ohne Kontext.
-
Eigener Zugang zu allen Tools. Google Search Console, Google Analytics, und idealerweise das SEO-Tool der Agentur (z.B. Ahrefs, SEMrush). Wer das nicht gewährt, arbeitet nicht transparent.
-
Content-Kalender vereinbaren. Feste Liefertermine für Inhalte, regelmässige Prüfung der Einhaltung. Kein Artikel nach 3 Monaten? Sofort ansprechen.
-
Unabhängige Zweitmeinung einholen. Wenn Zweifel bestehen, lohnt sich eine einmalige SEO-Analyse durch einen unabhängigen Experten. Die Investition von CHF 500 bis 800 kann vor einem Vielfachen an Verlust schützen.
Rechtlicher Rahmen in der Schweiz
Für KMU in der Schweiz ist relevant: Nach Art. 404 des Obligationenrechts (OR) kann ein Auftrag grundsätzlich jederzeit widerrufen werden. Gerichte haben bestätigt, dass diese Bestimmung zwingender Natur ist. Konventionalstrafen zur Umgehung der freien Kündbarkeit sind nach Bundesgerichtspraxis nicht zulässig.
Das bedeutet: Auch wenn ein SEO-Vertrag eine lange Laufzeit vorsieht, besteht unter Umständen die Möglichkeit, ihn vorzeitig zu beenden. Eine juristische Beratung lohnt sich, wenn die Agentur nicht liefert.
Checkliste: So schützt du dein Unternehmen
Vor dem Vertragsabschluss
- Messbare KPIs im Vertrag definiert (Keywords, Traffic-Ziele, Zeitrahmen)?
- Kündigungsfrist maximal 3 Monate, idealerweise monatlich kündbar?
- Referenzen der Agentur geprüft – mit konkreten, nachprüfbaren Ergebnissen?
- Pilotprojekt oder Testphase vereinbart?
- Content-Kalender mit festen Lieferterminen Teil des Vertrags?
Während der Zusammenarbeit
- Eigener Zugang zu Google Search Console und Analytics vorhanden?
- Monatliches Reporting mit echten Daten (nicht nur Grafiken)?
- Marken-Traffic und generischer Traffic getrennt ausgewiesen?
- Content wird regelmässig geliefert (Blogartikel, Landingpages)?
- Technische SEO-Basics umgesetzt (Meta-Beschreibungen, Ladezeiten, Mobile)?
Bei Verdacht auf Nichterfüllung
- Schriftlich nachgefragt und Dokumentation eingefordert?
- Unabhängige Zweitmeinung (SEO-Audit) eingeholt?
- Alle E-Mails, Rechnungen und Vertragsunterlagen gesichert?
- Search Console Daten exportiert und gesichert?
- Kündigungsmöglichkeiten rechtlich prüfen lassen?
Fazit: SEO Agentur keine Ergebnisse muss nicht dein Schicksal sein
Suchmaschinenoptimierung ist kein Hexenwerk und keine Geheimwissenschaft. Die Mechanismen sind dokumentiert, die Best Practices öffentlich zugänglich, die Ergebnisse messbar. Jeder Dienstleister, der so tut, als wäre SEO eine Blackbox, die nur er versteht, schützt damit nicht sein Know-how – er schützt sich vor Transparenz.
Seriöse SEO-Dienstleister arbeiten transparent, liefern messbare Ergebnisse und scheuen keinen offenen Dialog über Fortschritte und Herausforderungen. Sie definieren gemeinsam mit dem Kunden Ziele, dokumentieren ihre Arbeit und stehen für Fragen zur Verfügung.
Wer als KMU in SEO investiert, sollte dasselbe Qualitätsbewusstsein anlegen wie bei der Auswahl jedes anderen Geschäftspartners: Prüfen, messen, hinterfragen – und bei Nichterfüllung konsequent handeln. Wer die Grundlagen von professioneller Suchmaschinenoptimierung verstehen will, findet in meinem SEO-Leitfaden für IT-Unternehmen eine ausführliche Anleitung – die Prinzipien gelten branchenübergreifend.
Die Geschichte von FreshMeal ist kein Einzelfall. Sie ist ein dokumentiertes Beispiel für ein systemisches Problem in einem wachsenden Markt. Die Zahlen sprechen für sich: Rund 4,5 Millionen KMU im DACH-Raum, ein digitales Marketingvolumen von über 30 Milliarden Euro allein in Deutschland (2024), und kaum institutionelle Qualitätssicherung ausserhalb freiwilliger Branchenstandards.
Der beste Schutz ist Wissen. Und genau dafür ist dieser Beitrag gedacht.
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Dieser Beitrag basiert auf einer realen, forensischen SEO-Analyse. Alle Details wurden anonymisiert. Die Fakten sind dokumentiert und dienen der Aufklärung, um Unternehmen vor ähnlichen Erfahrungen zu schützen.
Du hast ein ungutes Gefühl bei deiner aktuellen SEO-Agentur? Lass uns darüber sprechen.
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