SEO-Agentur wechseln: So sicherst du deine Daten und startest neu
Die Entscheidung steht: Du wechselst deine SEO-Agentur. Vielleicht weil die Ergebnisse ausbleiben, wie im dokumentierten Fall eines Schweizer KMU. Vielleicht weil die Kommunikation nicht stimmt. Oder weil du endlich transparente Reportings willst.
Egal aus welchem Grund – ein Agenturwechsel muss sauber geplant werden. Im schlimmsten Fall verlierst du beim Wechsel Zugänge, Daten oder sogar Rankings. Dieser Beitrag zeigt, wie du das verhinderst.
Bevor du kündigst: Daten sichern
Die wichtigste Regel: Sichere alles, bevor du die Kündigung aussprichst. Nach einer Kündigung kann die Zusammenarbeit schnell unkooperativ werden. Alles, was du vorher gesichert hast, bleibt dir erhalten.
Google Search Console
Prüfe: Bist du als Inhaber (Owner) der Property eingetragen – oder nur die Agentur?
- Gehe zu search.google.com/search-console
- Klicke auf „Einstellungen” → „Nutzer und Berechtigungen”
- Du solltest als Inhaber eingetragen sein. Wenn nur die Agentur als Inhaber eingetragen ist, füge dich selbst hinzu (über HTML-Tag, DNS-Eintrag oder Google Analytics Verknüpfung)
Daten exportieren:
- Gehe zu „Leistung” → setze den Zeitraum auf die letzten 16 Monate (Maximum)
- Klicke auf „Exportieren” → als Google Tabelle oder CSV
- Exportiere auch: Abdeckung, Sitemaps, Core Web Vitals
Google Analytics
Prüfe: Wer ist der Account-Inhaber?
- Google Analytics Konten gehören dem, der sie erstellt hat. Wenn die Agentur das Konto erstellt hat, gehört es ihr – nicht dir
- Ideal: Du bist Account-Inhaber und hast der Agentur Zugang gewährt (nicht umgekehrt)
- Falls die Agentur Inhaber ist: Fordere die Übertragung des Kontos auf dich vor der Kündigung
Daten exportieren:
- Gehe zu „Berichte” → wähle den gewünschten Zeitraum
- Exportiere als CSV oder Google Tabelle
- Besonders wichtig: Organischer Traffic, Conversion-Daten, Top-Landingpages
Domain und Hosting
Prüfe: Wer hat die Kontrolle?
- Domain-Registrar: Bei wem ist deine Domain registriert? Hast du die Login-Daten? Liegt die Domain auf deinen Namen?
- Hosting: Wer hat die Zugangsdaten zum Webserver? Wer kann Dateien hochladen?
- DNS-Einstellungen: Hast du Zugang zu den DNS-Einstellungen? Die Agentur könnte dort Weiterleitungen oder Verifikationen eingerichtet haben
Wichtig: Wenn deine Domain über die Agentur registriert wurde, kläre die Übertragung auf dich vor der Kündigung. Das ist der kritischste Punkt beim Agenturwechsel.
CMS-Zugang
- WordPress: Hast du einen eigenen Admin-Account? Kennt die Agentur dein Passwort?
- Shopify/WooCommerce: Bist du als Shop-Inhaber eingetragen?
- Andere CMS: Hast du die Zugangsdaten für das Backend?
SEO-Tools der Agentur
Die Agentur nutzt vermutlich Ahrefs, SEMrush, Sistrix oder ähnliche Tools. Diese Daten gehören typischerweise der Agentur. Aber:
- Fordere einen Export der Keyword-Rankings (historisch, mindestens 12 Monate)
- Fordere eine Liste aller Backlinks, die aufgebaut wurden
- Fordere die Content-Strategie und den Keyword-Plan
Die Kündigung: Richtig formulieren
Sobald alle Daten gesichert sind, kündigst du schriftlich und nachweisbar. In deinem Kündigungsschreiben solltest du zusätzlich folgende Herausgabe fordern:
„Wir fordern Sie auf, innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsende folgende Daten und Zugänge herauszugeben bzw. zu übertragen:
- Übertragung aller Google Search Console Properties auf [E-Mail-Adresse]
- Übertragung des Google Analytics Kontos (falls im Besitz der Agentur)
- Alle erstellten Inhalte (Texte, Grafiken, Fotos) im Originalformat
- Liste aller aufgebauten Backlinks
- Keyword-Recherche und Content-Strategie-Dokumente
- Zugangsdaten für alle im Auftrag erstellten Konten und Tools”
Der Übergang: Rankings nicht verlieren
Ein Agenturwechsel birgt das Risiko, dass Rankings kurzzeitig leiden. So minimierst du das:
Keine Änderungen während des Wechsels
- Ändere während des Übergangs nichts an der Website-Struktur
- Keine URL-Änderungen, keine Weiterleitungen, keine Design-Änderungen
- Keine Inhalte löschen oder überarbeiten
- Stabilität ist in dieser Phase wichtiger als Optimierung
Briefing für den neuen Dienstleister
Dein neuer Dienstleister braucht:
- Zugang zu allen Tools: Search Console, Analytics, CMS
- Historische Daten: Die exportierten Search Console und Analytics Daten
- Bisherige Strategie: Welche Keywords wurden verfolgt? Welche Inhalte existieren?
- Bekannte Probleme: Was hat die alte Agentur nicht gemacht? Was muss nachgeholt werden?
- Vertragliche Grundlage: Ein Vertrag mit klaren KPIs
SEO-Audit als erstes
Bevor die neue Agentur losarbeitet, sollte ein frischer SEO-Audit durchgeführt werden. Das zeigt:
- Den aktuellen Ist-Zustand der Website
- Welche technischen Probleme bestehen
- Wo die grössten Chancen liegen
- Was die alte Agentur hinterlassen hat – und was nicht
Häufige Probleme beim Agenturwechsel
Problem 1: Die alte Agentur gibt die Domain nicht frei
Wenn deine Domain über die Agentur registriert wurde, kann die Agentur die Freigabe verzögern. Rechtlich gehört die Domain dem Registranten – wenn das die Agentur ist, wird es kompliziert.
Lösung: Prüfe jetzt bei deinem Domain-Registrar, wer als Inhaber eingetragen ist. Falls die Agentur: Fordere die Übertragung sofort.
Problem 2: Die alte Agentur löscht Inhalte
In seltenen Fällen löschen Agenturen nach einer Kündigung Inhalte, die sie erstellt haben. Rechtlich ist das umstritten – wenn du für die Inhalte bezahlt hast, gehören sie dir.
Lösung: Erstelle vor der Kündigung ein vollständiges Backup deiner Website (Dateien + Datenbank).
Problem 3: Rankings fallen nach dem Wechsel
Ein kurzfristiger Ranking-Rückgang nach einem Wechsel ist möglich – aber nicht unvermeidlich. Die häufigsten Ursachen:
- Die neue Agentur ändert zu schnell zu viel
- Technische Fehler bei der Übergabe (z.B. Weiterleitungen gelöscht)
- Die alte Agentur hatte künstlich aufgeblasene Metriken (die jetzt korrigiert werden)
Lösung: Keine voreiligen Änderungen. Erst analysieren, dann optimieren.
Problem 4: Der neue Dienstleister macht dieselben Fehler
Lösung: Diesmal machst du es richtig:
- KPIs im Vertrag definieren
- Reporting-Standards vereinbaren
- Budget realistisch planen
- Kurze Kündigungsfrist (maximal 3 Monate)
- Eigener Zugang zu allen Tools vom ersten Tag an
Checkliste: SEO-Agentur wechseln
Vor der Kündigung
- Google Search Console: Bin ich als Inhaber eingetragen?
- Google Analytics: Wer ist Account-Inhaber?
- Domain: Auf wessen Namen registriert?
- CMS: Eigener Admin-Zugang vorhanden?
- Hosting: Zugangsdaten gesichert?
- Alle Search Console Daten exportiert (16 Monate)?
- Analytics-Daten exportiert?
- Website-Backup erstellt?
- Vertrag auf Kündigungsfristen geprüft?
Bei der Kündigung
- Schriftlich und nachweisbar gekündigt?
- Herausgabe aller Daten und Zugänge gefordert?
- Frist für Herausgabe gesetzt (14 Tage)?
- Lastschriften/Daueraufträge widerrufen?
Nach der Kündigung
- Alle Zugänge verifiziert (Search Console, Analytics, CMS)?
- Passwörter geändert, die die alte Agentur kannte?
- Neuen Dienstleister mit historischen Daten gebrieft?
- SEO-Audit als Erstmassnahme vereinbart?
- Neuen Vertrag mit KPIs abgeschlossen?
Fazit: Ein Wechsel ist kein Neustart
Wenn du den Wechsel sauber planst, verlierst du nichts – weder Daten noch Rankings. Die kritischen Schritte sind: Daten sichern, Zugänge klären, und den neuen Dienstleister sauber briefen.
Der wichtigste Unterschied beim zweiten Mal: Du weisst jetzt, worauf du achten musst. Klare KPIs, ehrliche Reportings und ein realistisches Budget schützen dich vor einer Wiederholung.
Dieser Artikel ist Teil einer Serie zur SEO-Qualitätssicherung für KMU. Den vollständigen Fall findest du in der dokumentierten Case Study: CHF 18’000 für null Ergebnisse.
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